Reichsspaltung als Gemeinschaftsproduktion von Justinian und Pandora
In der letzten Installation dieser Reihe habe ich festgestellt, dass die P und die O zu mächtig sind.
Zugleich missfällt mir noch etwas anderes: Meine Welt ist im Moment zu dicht besiedelt, und ich brauche mehr verlassene Ruinen, wo man eben kein Dorf in drei Tagesmärschen Entfernung hat und coole Monster sich breit machen können.
Ich habe etwas nachgedacht, wie man das bewerkstelligen kann, und bin nach Abwägung verschiedener Katastrophenszenarien auf die justinianische Pest gekommen.
Diese hat damals mit Ostrom ebenfalls ein großes Imperium gebeutelt und vor allem bewirkt, dass dieses Imperium nicht mehr genug Soldaten aufstellen konnte und so Barbaren ein Einfalltor geöffnet hat, während bei den Barbaren am Rand der Welt die Pest schon deutlich geschwächt ankam – genau das, was ich brauche.
Dass die Pest verschiedene Felder langfristig unbesiedelbar macht ist dabei ein Plus.
Die Pest schlägt zu
Bisher habe ich noch kaum die Ruinen einbezogen. Auf der Höhe des ursprünglichen S-Gebiets lag ja früher die Zentralmonopole der Elfen vor ihrem Vinetia-Schicksal; entsprechend muss es da noch Ruinen voller Schätze und Artefakte geben, und wo plündernde P-Nordlandbarbaren unterwegs sind, da ist Grabraub nicht fern.
Was wäre nun, wenn unter den Artefakten das Gegenstück zu Pandoras Büchse zu finden ist? Genauer gesagt, ein selektiv wirkender biologischer Kampfstoff, der mal vor Urzeiten zum Einsatz gegen die weißen und blonden Eiselfen gedacht war, als ihr Erbgut sie noch kräftig, männlich und intelligent machte. Nun trifft das aber nicht mehr auf die Elfen zu – sehr wohl aber auf die hellhäutigen, nach ihrem Vorbild geformten Nordlandmenschen, und schon nimmt meine selektive Schwächung von Gebieten ihren Anfang.
Die Zerstörung von Infrastruktur (Kanalisation!), die ganzen Leichen durch die Kriegs- und Streifzüge sowie die plötzliche Vermischung zwischen zwei Völkern hilft dabei auch nicht gerade, die Seuche einzudämmen, gehen wir also davon aus, dass sie zum globalen Problem wird.
Sehr heftig werden die hellhäutigen Völker betroffen – in meiner Planung vor allem die O und P, aber auch die C, die M, die S und die AC. Hier gebe ich für jedes Feld eine Aussterbechance von 40%.
Relativ hellhäutig sind noch die D, die H und die Z – hier halbiere ich die Aussterbchance auf 20%.
Die verbleibenden Völker sind eher dunkel und allenfalls von mutierten Versionen des Erregers betroffen, da ist die Chance nur 10% und so vernachlässigbar.
Die P: Een Prinse van Oranje ben ik, vrij, onverveerd, den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd
“Alles, was wir tun, ist eine Nachahmung der Natur. Es widerspricht ihren Gesetzen und ist daher unmöglich, dass ein dünner Stamm einen dicken Ast trägt. Ebenso wenig kann ein kleiner Staat Städte und Reiche erobern, die mächtiger und volkreicher als er selber. Sollte er sie aber doch erobern, so geht es ihm wie einem Baum, bei dem ein Ast stärker ist als sein Stamm; er trägt den Ast nur mühsam, und der geringste Windstoß bricht ihn ab.”
- Discorsi II, 3
Wie dem auch sei, die P sind ein Barbarenvolk aus einem kargen Gebiet, das es dennoch geschafft hat, ein sehr großes, fruchtbares, schon lange besiedeltes und so sehr bevölkerungsreiches Land zu erobern.
Die P haben dabei eine sehr primitive Organisationsform, die eher für kleine, lokale Stämme gedacht ist. Angesichts ihrer derzeitigen Ausdehnung ist nicht mit Reformen zu rechnen, sehr wohl aber mit Entfremdung zwischen den Bewohnern der eroberten Gebiete, die da neuen kulturellen Einflüssen sowie den gezielten Beeinflussungen und Intrigen anderer Kulturen ausgesetzt sind. Insofern erscheint eine Reichsspaltung als logische Konsequenz.
Ich sehe dabei vor allem drei Konfliktlinien, und damit werde ich ab jetzt drei Zeichen für die Aufteilung der geteilten P brauchen: P, ¶ und П (das kyrillische P für die Banausen da draußen).
- Die ursprünglichen P (P): Diese leben im Norden und bleiben ihrer ursprünglichen Gesellschaftsform treu: Schamanismus, Stammesstruktur, Things und Häuptlinge, auf Zeit gewählte Kriegshäuptlinge mit diktatorischer Gewaltenausübung für Sonderfälle, Fellklamotten, etc. pp.
- S-beeinflusste P (¶): Diese leben im Westen und werden durch den Monotheismus aus S, O und C beeinflusst. Damit einher gehen ritterliche Ideale und Beeinflussung durch Kirchenleute aus S, aber auch größerer Erfolg bei der Bewahrung alten Wissens vor der Zerstörung von S. (Irgendwie habe ich da vor dem mentalem Auge das Bild von Eternia – barbarische Fellunterhosen, ritterliche Moral, Könige und Burgen, und alles mit liebevoll restaurierten Manatech-Fluggleitern und –Lasergewehren aus dem Imperium. So eine Kultur _muss_ mit SL-Willkür geschützt werden!)
- Z-beeinflusste P (П): Diese leben im Osten. Die Z haben Frieden mit ihnen geschlossen und ihnen Agentinnen in Form von geschenkten Konkubinen und Tänzerinnen untergejubelt. Entsprechend kommt es zum Himmelsvaterglauben, Turbanen als beliebter Kopfbedeckung und durch Vermischung zu einem dunkleren Teint. Die П haben damit etwas bessere Karten gegen die Pest (30% statt 40%), müssen aber andererseits den Z auch gegen ihre Feinde beistehen.
Die O: In Godes vrees te leven heb ik altijd betracht, daarom ben ik verdreven, om land, om luid’ gebracht
“Dagegen ist der König von Frankreich in Mitten einer alten Schar von Herren gestellt, die anerkannt und geliebt sind von ihren Untertanen; sie haben ihre Vorrechte; der König kann ihnen diese Rechte nicht ohne seine Gefahr entreißen. […] Das Gegenteil [zur schweren Eroberung, aber leichten Sicherung] ist es mit Staaten, die wie der Französische verfaßt sind, denn in solche kannst du mit Leichtigkeit kommen, so bald du irgend einen Großen des Reichs dir gewonnen hast, da immer Unzufriedne sich finden, und Solche, die nach Neuerung streben. Diese können aus obigen Gründen die in das Land den Weg eröffnen und dir den Sieg erleichtern; dem aber nachmals, wenn du dich festsetzen willst, unendliche Schwierigkeiten folgen, so wohl mit Denen, die dir geholfen, als mit den von dir Unterjochten: und du hast nicht genug getan, wenn du den Stamm des Fürsten vertilgt hast, so lange jene Großen bleiben, die sich zu Häuptern neuer Veränderungen aufwerfen: und wenn du sie weder zufrieden stellen noch aus dem Wege schaffen kannst, verlierst du einen solchen Staat, so bald sich dazu die Gelegenheit bietet.”
- Il Principe, Kapitel IV
Was mir in D bisher gefehlt hat, war ein Grund, um den Schlitzaugen auch ihre coolen Martial Arts samt zugehörigen kewlen Waffen zu geben. Der liegt jetzt mit der O-Besatzung vor, ganz nach dem Vorbild von Okinawa, wo wegen Waffenverboten unbewaffnete Kampftechniken vorangetrieben und aus Alltagsgegenständen improvisierte (Trick-)Waffen wie das Nunchaku entwickelt wurden.
Zudem sehe in der Gesellschaft von D eine Feudalgesellschaft aus Daimyos, die zwar einen mit der Priesterschaft verquickten Kaiser hat, wo aber alleine schon durch die isolierte Natur der einzelnen Inseln hohe Autonomie der Provinzherren geboten ist.
Damit sind wir voll und ganz beim o.g. französischen Modell, und damit einer Staatsform die sich nur schwer befrieden lässt – besonders wenn man die Besetzungstruppen auf unzählige Winzinseln verteilen muss und regelmäßige Stürme aus der Zitadelle der Lüfte die gezielte Truppenverlegung zu Unruheschwerpunkten schwierig machen.
Es steht also anzunehmen, dass die Besatzer aus O ein schweres Spiel haben. Dass sie dabei auch noch auf kargen Waldinseln sitzen und die Ebene noch fest in Hand der D ist, trägt sicher auch nicht zur Kampfmoral der Kolonisten bei; ebenso, dass sie mit ihrer monotheistischen Moral nicht die Unterstützung der Eis- und Wolkenelfen bekommen können.
Umgekehrt sitzt im Kernland von O eine Gruppe aus Königen und Priestern auf ihrem dicken Hintern und wartet auf die Gewinne aus den neuen Kolonien. Hier braucht es nur einen kleinen Schubs, und es kommt zur Spaltung, wie etwa eine Sondersteuer auf Tee, die ein paar Kolonisten dazu bewegt ein paar Kisten im Hafen ins Wasser zu werfen – oder auch die Pest, die gerade sowieso das Setting erschüttert.
Damit gibt es mit sofortiger Wirkung zwei Fraktionen der O, genauer gesagt die O und die Ø:
- Die Westkolonisten (Ø): Diese bewohnen die Inseln und haben sich angesichts der Schwierigkeiten mit den Naturgewalten in Verbindung mit den D wieder dem alten Polytheismus zugewandt, in den jetzt auch die Wolken- und Eiselfen als verehrenswerte Wesen integriert sind.
- Das Kernland (O): Hier bleibt der Monotheismus dominant. Nachdem es zu Konflikten zwischen der radikalen C-Doktrin, nach der Elfen samenraubende Succubi sind, und den alten Sklavenhaltern der O, die gutes Geld für ihre versklavten Eiselfinnen bezahlt haben, kam, hat die Kirche von O eine Position zugunsten der Reichen und Mächtigen eingenommen: Elfen sind ein misslungener Vorgänger des Menschen, der den EINEN leugnete und so unrettbar in der Dunkelheit unterwegs ist. Der Gläubige steht in der Pflicht, zu erkennen dass die Elfen ebenso Schäfchen des EINEN sind, und muss ihre Führung übernehmen, damit sie in ihrer Verwirrung sich und anderen keinen Schaden zufügen. (Lies: Wenn ihr sie schon versklavt, dann tauft sie noch ein bisschen. Damit habt ihr alles gemacht um ihnen die Straße nach oben zu öffnen, und wenn es dann zu unzüchtigen Handlungen kommt, dann ist es eben die Schuld der Verwirrtheit des armen fehlgeleiteten Spitzohrs, in der es den armen unschuldigen Sklavenhalter verführt hat.)
Ausblick
Damit sind erst einmal die Parameter gesetzt, um den Geschichtsverlauf wieder eine Richtung zu treiben, damit auch ein Setting rauskommt in dem ich spielen will. Es ist schon spät, die nächste(n) Runde(n) auswürfeln tue ich morgen. Wahrscheinlich wird auch gleich in den Anschluss an die Pestplage die Spielzeit gesetzt, schließlich gibt es dann viele Ruinen, ausgedünnte Zivilisationen und so alles, was Spaß macht an Wild-West-EDO.
(Ich stelle übrigens fest, dass in dieser geschichtsbestimmenden Phase der Kampagnenvorbereitung das wichtigste Buch (die Discorsi) kein Rollenspielbuch ist, während das Dragonsfoot-Konfliktsystem und die Zufallstabellen aus FTA!, Traveller und Star Trek Classic nur flankierend wirken. Ich werde hier doch kein herrenmäßiges Rollenspiel mit Settembrini-Gütesiegel betreiben?)
February 15th, 2009 at 04:41
Sehr coole Ideen, allerdings wäre es ganz nett, wenn du das Niederländisch??? in Klammern dahinter übersetzen könntest. Das versteht ja sonst kein Mensch (ausser Niederländer).
Die Kulturen werden somit richtig organisch-lebendig, ich bin gespannt, wie die endgültige Beschreibung aussieht im “Players Primer”.
February 15th, 2009 at 05:37
Für die Übersetzung: http://de.wikipedia.org/wiki/Het_Wilhelmus
Lief gerade auf meinem WinAmp, als ich den Blogeintrag geschrieben habe, und mein Gedanke beim Text war: Passt.
Beim ersten Zitat hilft die Übersetzung alleine ohnehin nicht, da muss man auch den historischen Hintergrund zu Gründen und Ablauf der Entstehung der Niederlande kennen.
Ansonsten bin ich nach zwei Spielzügen Pest bei einer Makrokarte, die mir bespielenswert erscheint… Muss nur noch an einer Vorstellung und Erläuterung feilen, dann geht es weiter.